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Grombach aus einer anderen Sicht

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Ein Ort im Ritterkanton Kraichgau

... später Großherzogtum Baden

Grombach, ein Flecken 1 Stunde östlich von Sinsheim, 1 Stunde westlich von Wimpfen, 1/4 Stunde südlich von Kirchardt und 3/4 Stunde nördlich von Ehrstätt, mit 701 Einwohnern, 1549 Morgen  1 Viertel 13 Ruthen Äckern, 136 Morgen 24 Ruthen Wiesen und Gärten, 35 Morgen  2 Viertel  2 Ruthen Weinbergen, 153 Morgen grundherrlichem und 250 Morgen Gemeindewaldes, 87 Wohnstätten, worunter ein grundherrliches Schloss mit angehörigen Deconomiegebäuden auch das katholische Pfarrhaus begriffen sind. Eine katholische und eine lutherische Kirche eine katholische Schule samt Rathaus eine Kelter samt Zehntscheuer. Der frohnbare Viehbestand beläuft sich auf 28 Pferde, 32 Ochsen und 72 Kühe. Der Ort ist sehr alt und ein Bestandteil des alten Kraichgaues gewesen ein gewisser Hübert und seine Ehefrau Ditlint, schenkte dem Kloster Lorsch unter den karolingischen Kaisern schon einen Mansum in Villa Gruonbach in pago Creichgowin mit einer Hobe und was sie in der Mark an Äckern, Wiesen, Waldungen und Wasser besaßen; der Pfarrsatz allda gehörte schon frühe der Ritterstifte Wimpfen, denn schon 1362 stiften Johannes von Berlichingen und seine Gattin Adelheid von Massenbach mit Einwilligung besagten Stiftes als Patrons der Pfarrkirche zu Grombach eine Priesterpfründe in letzterer Kirche zu Ehren der heiligen Katharine, welche Stiftung Echard, Bischoff von Worms am 3. Dct. 1381 genehmigte. Das Stift Wimpfen scheint überhaupt, wo nicht der ausschließlicher, doch einer der bedeutendsten Besitzer des Ortes damals gewesen zu seyn, denn gegen Ende des Jahrs 1329 vertauscht Raban von Helmstatt 1/3 des großen Zehndens zu Bischoffsheim und den Kirchensatz mit allen Rechten, Gewalt und Vorzenden gegen 5 Höfe in Grombach und alle Rechte, die dazu gehören, es seyen Äcker, Wiesen, Hofstätten mit allem Rutzen, Ehren, Recht und Gewalt zu Feld, Dorf, in Wasser und Weide, in Wäldern, alle Landachtgüter, nebst dem Weiler Büchelbach,  behielt sich aber dabey 1/3 vom kleinen Zehnden zu Bischoffsheim, und das Stift Wimpfen für sich, die Hellerzinse, Hühner und Gänse, 2 Theile am großen, den ganzen kleinen Zehnden und alle Weingärten in Grombacher Markung bevor, welchen Tausch Bischoff Gerlach von Worms am 14. Juny 1330 genehmigte. Von nun an blieb Grombach bey der Helmstattischen Familie dessen Besitzer sich eine Zeit lang schlechtweg Ritter von Grombach nannten, bis im Jahr 1498 Dienstags nach dem Sonntag Reminiscere Erhard von Helmstatt Amtmann zu Lauterburg und seine Gattin Giesel, geborene von Rathsamhausen, Stephan von Venningen und seine Gemahlin Margarethe, geborene von Gemmingen, das Schloß und Dorf samt allen Zugehörden um 4500 fl. verkauften. Diese Margaretha hat vieles zu Verschönerung der Kirche beygetragen und daher dort ein Monument erhalten welches jedoch dem zerstörenden Zahn des Alters zum Opfer wurde, ihr Gemahl Stephan gerieth mit einen seiner Vettern zu Zuzenhausen in eine Fehde die beyden Eheleuten vielen Kummer verursachte, jener hatte nämlich Hrn. Stephan zum Trotze in dessen Waldungen gejagt, wogegen ihm dieser in sein Bollwerk, denn er hatte sich wie die Chronik sich wörtlich ausdrückt mit starken Bäumen verschanzt, sprengte, und ihn auf den Tod Schlug, worauf Stephan mit seiner Gemahlin entfliehen mußte, bis er auf ein bey Churpfalz ausgebrachtes Geleit die Erlaubniß erhielt, in Heidelberg im sogenannten Venninger Hof, den diese Familie von dem Bischoff von Speyer aus dem Geschlechte der Kammungen ererbet hatten, seinen stillen Wohnsitz zu nehmen. Stephan zeugte keine Kinder, seine Gemahlin, die den Ort Grombach mit erkauft hatte, wollte daher solchen Carl von Zandt, der ihrem Eheherrn lange Zeit treu gedient hatte, zuweisen, und ihn an kindesstatt annehmen, Zandt lehnte aber das Anerbieten von selbst mit der Äußerung ab, daß er dem Geschlechte von Venningen dieses Rittergut nicht entfremden wolle, daher kam dann nach Stephans Tod Grombach auf dessen Bruder Conrad, demnächst auf Conrads Sohn, namens Christoph, endlich aber auf den Christophischen Sohn Friedrich, dieser starb im Jahr 1578 mit Hinterlassung von 2 Töchtern, wovon die eine, Anna Magdalene von Venningen im Jahr 1588 sich an Christoph von Flörsheim verehelichte und ihm den halben Ort Grombach in die Ehe einbrachten, die andere Hälfte erbte dieselbe aber von ihrer ledig verstorbenen Schwester Clara Anna Margarethe, wodurch also Christoph von Flörsheim Besitzer des ganzen Ortes wurde. Aus der Flörsheimischen Ehe wurden zwar 5 Kinder erzeugt, sie starben aber bis auf eine Tochter, Catharine Magdalene welche sich an Bosen von Waldeck verehelichte, die Bosischen Eheleute verkauften aber im Jahr 1642 Grombach an Heinrich Freyherr von Metternich von dem es an den kaiserlichen General von Werth kam, der im Jahre 1644 in den Kauf eintrat, dieser gab es seiner an Wienand Hieronymus von Franz verheirateten Tochter zur Ausstattung, als aber im Jahr 1656 die Flörsheimische an Bosen von Waldeck verehelichte Tochter ohne Leibeserben verstarb, reclamierten die von Venningen Grombach als ein Familien Fideicommißgut, setzten ihre Ansprüche auch im Rechtswege durch, von welchem Zeitpunkte an es auch bey diesem Geschlechte bis auf den heutigen Tag verblieben ist.

An Freygütern befindet sich allda, das grundherrliche Schloß, das General-  oder Merzengut und das kleine Gütchen von der lutherischen und katholischen Pfarrey, welche zusammen 329 Morgen 2 Viertel  33 Ruthen Äcker, 32 Morgen 2 Viertel Wiesen, 1 Morgen 1 Viertel 52 Ruthen Krautgärten,  2 Viertel 4 Ruthen Weinberge enthalten.

An Erbbestandgütern befinden sich die ehemals den Edlen von Ehrenberg, nach deren Aussterben aber als heimgefallene Lehen, dem Bistum Worms zuständig gewesene 5 Höfe, allda, die aber seit 1811 die Grundherrschaft rücksichtlichen des dominii dir cti erworben hat. Den großen Zehnden besaß ehemals das Ritterstift Wimpfen zur Hälfte und die katholische und lutherische Pfarrey zur anderen Hälfte, die Grundherrschaft von Venningen hat aber im Jahr 1785 den Antheil der lutherischen Pfarrey durch einen Vergleich mit der protestantischen Gemeinde nebst dem halben kleinen und Wein-Zehnden erworben, die ritterstiftliche Wimpfener Hälfte des großen Zehndes im Jahre 1811 erkaufet, besitzt also dermale 3/4 am großen, den halben kleinen und Weinzehnden, das übrige 1/3 großen, 1/2 kleinen und Weinzehndens, die katholische Pfarrey. Der katholische Pfarrsatz stand ehemals ebenfalls dem Stifte Wimpfen zu, als dieses durch den Reichsdeputationsschluß von 1802 an Hessendarmstadt nebst dem Zehnden fiel, verblieb er diesem Fürstenhaus, welches im Jahr 1811 den Zehndert verkaufte,  das Patronatrecht aber an des Hrn. Großherzog von Baden abtrat, der lutherische Pfarrsatz aber stehet der Grundherrschaft von Venningen zu, die den lutherischen Pfarrer besoldet und die Kirche bauet, dagegen die Besoldung des katholischen Pfarrers aus den eigenen Pfarreygefällen bestritten, das katholische Pfarrhaus und der Chor der katholischen Kirche nur von der Grundherrschaft von Venningen,  das Langhaus dieser Kirche aber von katholischen sehr vermögenden Kirchengeiligen gebaut und erhalten wird.

Grombach gehört zu den ackerbauenden Landgemeinden, ist in allen Gattungen Brodfrüchten, besonders aber in Repps sehr ergiebig, liefert einen leichten Wein,

die Viehzucht könnte besser seyn, die Schäferey gehört der Gemeinde, die auch das Fasselvieh zu erhalten, und nur von der Grundherrschaft einen Beytrag zum Unterhalt von jährlich 4 Morgen Korn, 3 Morgen Speltz und 3 Malter Haber zu beziehen hat, denn darin mag es liegen, daß die Viehzucht zurüc bleibt, weil die Gemeinde den Unterhalt  des Fasselviehes unter sehr lästigen Bedingnissen jährlich verpachtet; um ein geringeres Opfer würde die Grundherrschaft es übernehmen, deren Pächter sich durch eine Nachzucht schönen schweizerartigen Viehes auszeichnen, auch eine bedeutende Branntweinbrennerey treiben. Der Wieswachs ist nicht am ergiebigsten, weil die Wiese viele sumpfige Lagen haben. Im Jahr 1614 fiel da die Hinrichtung einer sogenannten Hexe vor, die sich ausweislich der vollständigen Prozessakten in dortiger Gemarkung beym Schlenkersgalgen dem Teusel ergeben hat,  bey den Lustgelagen auf dem Blocksberge, wohin sie auf einem Bocke geritten seye, beygewohnt, auch allerley Todschläge am vieh der Nachbarsleuten,besonders aber Gewitter und Hagelschlag gemacht haben wollte, wer Lust hat den Teufel kennen zu lernen, findet ihn in den von dem Ortsherrn von Flörsheim, dessen Beamten und dem Ortspfarrer beglaubigten Protokolle, als einer angenehmen jungen Menschen beschrieben, der aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Teufeley noch heut zu Tage manche Schöne bezaubern, und in ihr ein sanfteres Feuer als das im Jahr 1614 um die sogenannte alte Lena herum aufgeloderte entzünden würde.


Quelle: historisches statistisches topographisches Lexikon vom Grossherzogtum Baden